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Bergapotheke

Ein Haus mit 64 Gesichtern

Im Zentrum von Zellerfeld beeindruckt das reich verzierte Haus der Bergapotheke. Auffällig und faszinierend an der Front- und Giebelfassade sind die holzgeschnitzten und farbig bemalten Gesichter, die jeden Betrachter durch ihre Vielfalt und Ausdrucksstärke in ihren Bann ziehen. Keines der 64 Gesichter gleicht dem anderen. Der Sinn dieser fratzenähnlichen Gesichter ist nicht überliefert - nach der häufigsten Deutung handelt es sich um sog. Schreckmasken, auch Neidköpfe genannt. Sie sollen der Bewohnerschaft einen magischen Schutz vor Aggressionen, Neid und Hass bieten.

Der Erhalt der Gesundheit und Arbeitsfähigkeit der Bergleute gehörte seit der Entstehung der Oberharzer Bergstädte zu den fürsorglichen Aufgaben der Landesherren. Sie war als Privileg in den sog. Bergfreiheiten fest verankert. In Zellerfeld gab es seit 1576 die erste Bergapotheke des Oberharzes. Sie fiel jedoch dem großen Stadtbrand von 1672 zum Opfer, ebenso wie vier Fünftel der Gebäude und Straßenzüge. Nach dem Feuer wurde sie nicht vom bisherigen Zellerfelder Apotheker neu errichtet, sondern vom jungen Clausthaler Provisor Jakob Andreas Herstelle. Er ließ die Bergapotheke in der heute noch bestehenden Form bauen und innen wie außen prächtig ausstatten. Herstelle war jung und vermögend, seine Geschäfte liefen hervorragend - es nicht abwegig, dass er mit viel Missgunst konfrontiert war, z.B. der Krämer, die im das Branntweinmonopol neideten.

Während der Öffnungszeiten der Bergapotheke lohnt sich ein Blick auf die historische Offizin. Durch das Ausgabefenster ist die stuckbildgeschmückte Decke mit Sagenmotiven zu sehen, an den Seiten befinden sich Bildsymbole der vier Jahreszeiten. In vier Räumen zeigen sich Reichtum und soziale Stellung des historischen Hausherrn durch ästhetisch hochwertig gestaltete Stuckarbeiten, die ein teilweise auf seine Lebensumstände abgestimmtes und durchdachtes Bildprogramm haben. Bildszenen aus der antiken Mythologie wechseln ab mit Jagdszenen und allegorischen Figuren. Die heutige Apothekerfamilie gewährt auch einen Einblick in das sog. „Allegorienzimmer“, das durch einen kleinen Treppenaufgang einzusehen ist. Es vermittelt einen überraschenden Eindruck vom reichhaltigen Schmuck des Hauses.

In familiärer wie künstlerischer Hinsicht steht die Bergapotheke in engem Zusammenhang mit dem ca. 100 Meter entfernten Dietzelhaus, ebenfalls ein repräsentatives Patrizierhaus aus der Zeit nach dem großen Stadtbrand von 1672. Die Ähnlichkeiten der beiden Häuser in Ausstattung und Gestaltung der Stuckarbeiten sind kein Zufall. Der Erbauer des Dietzelhauses, Oberbergmeister Daniel Flach, war ein Schwager des Apothekers Jakob Andreas Herstelle. Beide hatte Töchter des wohlhabenden Oberbergmeisters Drechsler aus Clausthal geheiratet. So sind in den Wappen über beiden Haustüren ähnliche Inschriften und Symbole erkennbar. (mk/HA)